Naturschutzgebiet Hochholz-Kapellenbruch

Bruchwald Mädesüß Das NSG "Hochholz-Kapellenbruch" besteht aus mehreren Teilgebieten mit insgesamt rund 150 ha Fläche (je zur Hälfte Wälder und Wiesen und 4 ha Gewässer) auf beiden Seiten der Bundesstrasse 3 (B3) zwischen Wiesloch und dem Bahnhof Rot-Malsch. Mehrere Gemeinden haben daran Anteil, weil der Grenzverlauf hier sehr kompliziert ist. Auch eine sehr wichtige naturräumliche Grenze geht mitten durch das Gebiet. Westlich der B3 ist man noch in der Oberrheinischen Tiefebene, östlich davon beginnt der Kraichgau. Im Folgenden wird nur erste Teil etwas näher beschrieben, weil er leichter erreichbar ist und die Wiesentypen der anderen Seite auch hier vorkommen. Schaut man von der B3 nach Westen, dann bemerkt man eine Geländestufe von mehreren Metern Höhe, die "in den Bruch" hinabführt. Dieser "Bruch", also eine feuchte Niederung, steckt auch in den Namen von Bruchsal oder Langenbrücken und reicht etwa von Rastatt bis Leimen. Er ist einige 100 Meter bis zu 3 km breit und heißt als eigenständige Landschaft seit Jahrhunderten "Bruhrain". Das meint die Lage der Orte auf dem erhöhten Rand - dem Rain - neben dem feuchten Land darunter, dem Bruch. Vor der Rheinregulierung kam es hier oft zu Überschwemmung durch den Rückstau der Bäche aus dem Schwarzwald und Kraichgau von der Kinzig und Murg bis zum Leimbach. Als "Kinzig-Murg-Rinne" wurde und wird diese Senke noch manchmal bezeichnet, weil man annahm, daß diese und andere Bäche nach der Eiszeit durch massenhafte Schotterbetten des Rheines daran gehindert wurden, ihn auf kürzestem Wege zu erreichen, und sie deshalb zunächst nach Norden flossen um dann (ab dem heutigen Leimen) nach Westen zu strömen, weil ihnen der Schwemmfächer des Neckars den Weg verlegte. Vieles spricht allerdings dafür, daß es so nicht war, sondern diese nasse Rinne durch Absenkungen der Schollen am Rand bedingt ist, Vorgänge, die noch immer ablaufen. Früher konnte man unter solchen Verhältnissen nur Wiesen "anbauen", im Sinnes des Wortes, denn bis in die 50-er Jahre wurden sie durch ein kompliziertes und aufwendiges Grabensystem teilweise noch entwässert und auch bewässert, indem man das mit Löß angereicherte trübe Wasser (Leimbach=Lehmbach) aus dem Kraichgau über die Wiesen leitete und den fruchtbaren Schlamm zum absetzen brachte. Die Wallfahrtkapelle der Gemeinde von Malsch stand früher hier, bis man sie wegen dauernder Überschwemmungen zum Abbruch verkaufte und auf dem Letzenberg eine neue baute. Das steckt noch im Namen des Gebietes. Da nach Norden hin das zur Entwässerung notwendige Gefälle wegen der behindernden Leimbachablagerungen nicht ausreichte, fließen die Gräben hier nur scheinbar seltsamerweise in die falsche Richtung, verkehrt herum, als "Kehrgräben". Auf sandigen und kiesigen Böden konnten sich feuchte Waldgesellschaften bis heute halten, die sonst kaum noch vorkommen und das Gebiet besonders wertvoll machen: im "Dörnigt" ein Stieleichen-Hainbuchen-Wald, an anderen Stellen Schwarzerlen-Eschen-Bruchwald, beide noch sehr naturnah.



Text und Photos: Jürgen Alberti