Naturschutzgebiet Landschaft am Waldangelbach
Das NSG "Landschaft am Waldangelbach" gehört zu den Gemarkungen Rauenberg und Wiesloch
und schützt den letzten Teil des Bachbettes des gleichnamigen Gewässers vor seiner Einmündung in den Leimbach.
Das Tal ist hier schon sehr weit, der rechte Hang sanft und mit Wein bestanden.
Der linke fehlt ganz, und seine Aue, früher reines Wiesenland, ist heute fast vollständig beackert.
Der kleine Bach hat sich in den Schwemmlöß an zahlreichen Stellen tief eingegraben
und auf seinen beiden Steilufern stockt ein sehr schöner, meist geschlossener und naturnaher Schwarzerlen-Eschen-Auenwald.
Da in dieser Gegend fast überall verwertbare Lehme und Tone auftreten,
meist aus dem Oligozän, waren Teile des heutigen Naturschutzgebietes als Tagebaue in
Nutzung der früheren Firma Bott-Eder mit Sitz in Rauenberg.
Die verwertbare geologische Scholle reicht bis an die Gruben am Wieslocher Dämmelwald,
und wie dort sollten auch die Löcher auf Rauenberger Gemarkung nach dem Abbau mit allerlei Schutt verfüllt werden.
Dank aufmerksamer Bürger und einer in jeder Hinsicht kooperativen Stadtverwaltung konnte dies verhindert werden.
So entstand zunächst aus einer z.T. geschundenen Fläche schon 1987 ein Sekundärbiotop
auf den nur teilweise zugeschobenen Vertiefungen. Weitere kleine, künstlich angelegte Tümpel im
bruchartigen Auenwald entstanden in Eigenarbeit des "Naturschutzvereins Rauenberg"
bis in die jüngste Zeit und vervollständigen und verbessern die Laichmöglichkeiten dort vorhandener Amphibien,
vor allem der Gelbbauchunke. Betrachtet man vom Weg vor den Weinbergen aus das Gelände,
wie es sich auch unter der Autobahnbrücke hindurch bis nahe an Wohn- und Industrieflächen hinzieht,
kann man kaum glauben, daß es den Rang eines Naturschutzgebietes dennoch völlig zu Recht trägt.
Will man das Gebiet besuchen, so orientiert man sich von Rauenberg aus an der Autobahnüberführung.
Von Wiesloch aus folgt man den Schildern "Winzergenossenschaft", und hält sich, dort angekommen,
nach rechts bergab und bleibt immer auf dem Weg neben dem Bach.
Etwa bei einem Drittel der Gesamterstreckung kommt eine kleine Brücke,
von der aus sich sehr gut Bachlauf und begleitender "Galeriewald" beobachten lassen.
Fast senkrecht eingeschnitten blieben die Ufer trotz manchen Hochwassers steil, weil
das Wurzelwerk der Bäume einen viel besseren Schutz bietet als alle "wasserbaulichen Verbesserungen".
Da auch einige (leider nur kleine) Wiesenflächen mit unter Schutz kamen,
lassen sich für die Pflanzenwelt in aller Ruhe hier verschiedene Feuchtgesellschaften
des Grünlandes, der Bruchwälder und Wegränder studieren. Überwiegend finden sich dabei Arten,
die hohen Stickstoffgehalt vertragen oder sogar benötigen, der aus der landwirtschaftlichen Nutzung,
aber auch aus Überschwemmungen kommt.
Am Ufer und an Wegen ist das zum Beispiel die Pestwurz, die mit ihren riesigen Blättern ganze "Fluren" bildet:
ein heute seltener Anblick. Im Unterholz des Auewaldes sind solche Anzeiger der Schwarze Holunder und Brombeeren,
auf den Wiesen der blaue Wiesen-Storchschnabel und der weiße Wiesenkerbel und Bärenklau.
Typische Pflanzen sehr feuchter Standorte sind die schon im Frühjahr blühenden Sumpf-Dotterblumen,
die "Butterblume" unserer Vorfahren, die mit Saft aus den Blütenblättern die Butter gelb machten,
weil die unwissenden Städter solche für "besser" hielten.
Das Bier (früher Met) süßte man mit dem im Sommer blühenden Stauden des Mähdesüß.
Auch weniger auffällige "Gräser", nämlich zahlreiche Seggen und Binsen lassen sich mit gutem Auge entdecken.
Gute Ohren braucht man für die zahlreichen Vögel, die hier Nahrung suchen und/oder brüten.
An die 50 Arten allein Brutvögel sind bis heute festgestellt worden,
darunter so wertvolle Arten wie Pirol, Sumpf- und Weidenmeise, Nachtigall und Neuntöter.
Gelegentlich versucht es auch der Eisvogel an den Steilwänden des Bachufers mit Erfolg.
Hat man sich alles angeschaut, kann man anschließend den benachbarten "Weinlehrpfad" auch noch besuchen.
Text und Photos: Jürgen Alberti